Karlštejn - die bedeutendste tschechische Burg und eines der Symbole des Königreichs Böhmen - wurde von dem böhmischen König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Karl IV. im Jahre 1348 gegründet. Errichtet wurde die Burg auf drei Höhenststufen, von denen sich auf der niedrigsten profane, vom Kaiser, seiner Gemahlin und seinem Gefolge bewohnten Räume befanden. Dies war die sogenannte „Gemeinde der Erdbewohner“. Auf der zweiten Stufe wurden die der Jungfrau Maria geweihte Kirche und die mit ihr durch einen schmalen Gang verbundene Privatkapelle Kaiser Karls IV. errichtet (die hl. Katharina galt als Patronin des Kaisers). Dieses Geschoss wurde als „Ort der Reinigung“ verstanden. Die oberste Stufe nahm ein prismatischer Turm ein, in dem sich der wichtigste Sakralraum der Burg, der Kapelle des Heiligen Kreuzs - einer Verkörperung des „himmlischen Jerusalems“ - befand. Ursprünglich sollte die Burg seinem Begründer als Ort der Erholung dienen, im Laufe des Bauprozesses, der über sieben Jahre in Anspruch nahm, entwickelte sich die Idee der Nutzung der Burg weiter - mit dem Ergebnis, dass dort die böhmischen Krönungsinsignien, die Insignien des Reiches und die vom Kaiser verehrten Heiligenreliquien sicher aufbewahrt werden sollten. Während der Herrschaftszeit Karls IV. diente die Burg dem Kaiser in erster Linie als repräsentativer Sitz, der von Prag aus im Pferdesattel innerhalb eines Tages zu erreichen war und in dem Repräsentanten der europäischen politischen Elite zusammenkommen konnten.
Im Laufe der Hussitenkriege wurde Karlštejn mehrere Male Angriffsziel hussitischer Truppen, im Jahre 1422 bewährte sich die Befestigung der Burg vorzüglich und hielt einer Belagerung durch die sogenannten Prager Truppen stand. Als die Burg Ende des 15. Jahrhunderts im spätgotischen Stil baulich umgestaltet wurde, veränderte sich die Silhouette der Burg durch einen Umbau des Kirchenturmes. Während der Rudolfinischen Zeit kamen in den Jahren 1578-1597 ausgedehnte Instandsetzungsarbeiten und Umbaumaßnahmen im Renaissancestil zustande. Im Jahre 1625 annullierte Kaiser Ferdinand II. den bisherigen Status Karlštejns und machte die Burg samt der gesamten Domäne zum Erbgut böhmischer Königinnen. Kaiserin Maria Theresia schenkte die Burg schließlich der Anstalt adeliger Damen, diese wiederum hielt es für angebracht, in der Burg die Wirtschaftsverwaltung der Domäne unterzubringen. Die historische Bedeutung von Burg Karštejn wurde erst Ende des 18. Jahrunderts in Kenntnis genommen und ausreichend gewürdigt. Zu jener Zeit fiel auch die Entscheidung, die Burg im puristischen Sinne zu regotisieren; entsprechende Maßnahmen wurden im Jahre 1887 in Angriff genommen, beaufsichtigt wurden die Arbeiten vom führenden Architekten der neogotischen Stilrichtung in Böhmen, Josef Mocker. Etliche Burgobjekte wurden damals abgerissen, andere neu errichtet. Die Burg gewann das Aussehen, an das wir heute gewöhnt sind. Im Jahre 1910 konnte sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Als Wahrzeichen und Dominante der Burg Karlštejn gilt auch in unserer Zeit der prismatische Große Turm mit der Kapelle des Hl. Kreuzes. Die im Jahre 1357 eingeweihte Kapelle stellt den kostbarsten, aufwendigsten und repräsentativsten Raum der Burg dar. Ihre Wölbungen werden von Halbedelsteinen in der Form von Kreuzen sowie von einer einzigartigen Kollektion von 129 Tafelbildern geschmückt. Bei den vorwiegend von Meister Theodoricus geschaffenen Gemälden handelt es sich um idealisierte oder annähernde Abbildungen von Heiligen, heiligen Päpsten und Bischöfen, heiligen Herrschern und Kirchenvätern. Oberhalb des Altars befindet sich eine Nische mit einem vergoldeten Gitter - eben dort wurden die Krönungsinsignien des Reiches und die Heiligenreliquien sicher verwahrt. Das Gewölbe der Kapelle vermittelt dem Betrachter die Vorstellung eines Sternenhimmels mit Mond, Sonne und den damals bekannten fünf Planeten.





